SPEER UND ER

 

 

 

 

 

 

DIE FILMMUSIK ZU "SPEERUND ER"

Heinrich Breloers und Horst Königsteins mutiger Versuch einer differenzierteren Darstellung von Protagonisten, die das abstoßend Böse schlechthin verkörpern und im Film bisher zumeist eindimensional dargestellt worden sind, verlangte eine Filmmusik, die ebenfalls hinausgeht über nur graue Farben und nur dumpfe, schroffe Töne, hinaus über das Klangrepertoire der Geisterbahn.

Es hat mich Überwindung gekostet, den Hauptfiguren nicht nur aus sicherer Distanz zu folgen und sie sarkastisch und affirmativ als Bösewichte zu kennzeichnen, sondern ihnen für Momente näher zu kommen und das emotionale Spektrum weiter zu fassen: die den Figuren eigene, verhängnisvolle Kombination aus sentimentalem Pathos, beflissenem Eifer und unerbittlicher Grausamkeit, den Seelenton Hitlers oder Speers genauer zu treffen, kurz: sie als Menschen ernst zu nehmen. Doch nur auf diesem Weg der kritischen Einfühlung schien es mir möglich, besser nachvollziehbar zu machen, wie es dazu kommen konnte, daß Speer ebenso wie fast alle Deutschen - auch aus der Generation meiner Eltern - Hitler verfiel.

Zunächst konnte ich mir nicht vorstellen, diese Musik, die ich nur im dramaturgischen Zusammenhang mit dem Film gehört haben wollte, auf Schallplatte zu veröffentlichen. Umso mehr habe ich meinem Bruder Ernst Ströer zu danken, der die Musik unter Einbeziehung von Original-Dialogen aus dem Film zu einem so ungewöhnlichen Hörstück mit ganz eigener Dramaturgie verwoben hat, wie man es bis jetzt auf Soundtrack-Alben noch nicht gehört hat.

Hans P. Ströer

 

DIE PRODUKTION DER SOUNDTRACK CD

Als ich "Speer und Er“ zum ersten Mal sah, spürte ich, wie präzise die Filmmusik der Handlung folgt - wie sie speziell das gesprochene Wort äußerst subtil begleitet und dabei immer wieder an besonderen Brennpunkten bis zur Untrennbarkeit damit verschmilzt. Diese durchkomponierte musikalische Unterströmung für den Soundtrack in einzelne Themen und Motive zu zerlegen erschien mir widersinnig. Die besondere Qualität des großen dramaturgischen Bogens sollte unbedingt erhalten bleiben.

Ich begann damit, besonders intensive und inhaltlich klare, melodramatisch gestaltete Dialoge auszuwählen und nach musikalischen Gesichtspunkten miteinander zu verflechten.

Dabei ergaben sich neue Zeitsprünge: Ausschnitte, die im Film weit auseinander liegen, rücken zusammen - und umgekehrt. Sie tauchen beim Hören wie Inseln der Gewissheit auf: Wir erkennen, wer spricht und wovon die Rede ist, um im nächsten Moment allein zu bleiben mit der Musik, die die Geschichte auf ihre Weise weitererzählt - im Ungewissen und Zwielichtigen, wo es nur Ahnungen gibt und Widerschein, Erinnerung und Vorausschau. Bis wir uns auf festem Boden wiederfinden, aufgefangen von einem weiteren Filmdialog. Diesem Mechanismus zu folgen erschien mir zwingend - vielleicht, weil er verwandt ist mit dem Mechanismus, der wie kein anderer die Nachkriegszeit in Deutschland geprägt hat: die Verdrängung.

Ernst Ströer

 

 

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